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Wie gestern bekannt wurde, trennt sich die SEB Bank von ihrem deutschen Privatkundengeschäft. Das deutsche Tochterunternehmen der größten Bank Schwedens, der Skandinaviska Enskilda Banken, verkauft ihr Retailsgeschäft an die spanische Banco Santander, als Preis gibt die SEB eine Summe von EUR 555 Millionen an. Die SEB möchte sich hierzulande zukünftig auf die Kerngeschäftsfelder konzentrieren, in denen sie einen Wettbewerbsvorteil hat.

„Mit dem Verkauf des deutschen Retailgeschäfts setzen wir Eigenkapital frei, das wir für unser kontinuierliches Wachstum in unseren Kerngeschäftsfeldern einsetzen werden. Als größte Volkswirtschaft Europas bleibt Deutschland ein wichtiger Markt für uns. Wir sind in diesem Markt seit fast 35 Jahren zuhause. Die SEB wird sich zukünftig auf Merchant Banking inklusive Commercial Real Estate und Asset Management fokussieren – profitable und wachsende Geschäftsbereiche in Deutschland“, sagt Annika Falkengren, SEB President und Group Chief Executive.

„Ich freue mich, dass wir im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld gemeinsam mit Santander eine Lösung gefunden haben, die für beide Seiten vorteilhaft ist. In dem verkauften Privatkundengeschäft betreut die SEB eine Million Kunden in Deutschland und zählt zu den Anbietern mit der höchsten Kundenzufriedenheit“, so Annika Falkengren weiter. „Wir haben dieses Geschäft vor mehr als zehn Jahren gekauft und haben viel Zeit und Mühe in
seine Restrukturierung investiert. Ich bin überzeugt, dass Santander als eine der größten Banken Europas und mit einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte im Privatkundenbereich die bestmögliche Heimat für unser Privatkundengeschäft bietet.“

Der Verkauf umfasst alle 173 Filialen, eine Million Privatkunden und rund 2.000 Vollzeitbeschäftigte. Zum Jahresende 2009 belief sich das Kreditvolumen auf EUR 8,5 Milliarden, das Einlagenvolumen auf EUR 4,6 Milliarden und die risikogewichteten Aktiva auf EUR 4,7 Milliarden.

Jan Sinclair, Vorstandsvorsitzender der SEB AG, zur Entscheidung: „ Für unsere Privatkunden ändert sich durch den Verkauf zunächst nichts. Sie können sich auch weiterhin auf die hohe Qualität in der Betreuung verlassen. Wir sehen zukünftig klare Wachstumschancen im Merchant Banking inklusive Commercial Real Estate und deutlich erweiterte Wachstumsperspektiven für Asset Management.“

Das veräußerte Privatkundengeschäft entspricht 6 Prozent der Erträge, 11% der Kosten und 8% der Kreditvergabe des SEB Konzerns (Zahlen per Jahresende 2009). Bezogen auf das Deutschlandgeschäft der SEB entfallen auf die verkauften Aktivitäten rund 45% der Erträge, 60% der Kosten und 33% der Ausleihungen. Das Privatkundengeschäft der SEB in Deutschland erzielte im Geschäftsjahr 2009 einen Verlust von EUR 117 Millionen.

Der Abschluss des Verkaufs steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen und verschiedener vorbereitender Maßnahmen für die Abspaltung und ist zum Ende des Jahres 2010 vorgesehen. Bis dahin ändert sich also erst einmal nichts – die Anlage von Festgeld oder jede andere Form der Geldanlage ist bei der SEB nach wie vor möglich. Und durch die Übernahme durch eine der größten europäischen Banken überhaupt besteht kein Grund, vor einer Anlage bei der SEB zurück zu schrecken – das dort investierte Geld sollte sehr sicher sein.

Unsere Bewertung;

Zeichnet sich jetzt eine Konsolidierung des deutschen Bankensektors ab? Das Privatkundengeschäft, aus dem sich die SEB verabschiedet, wird von Jahr zu Jahr immer umkämpfter. Dank Internet vergleichen Anleger zunehmend kritischer die Angebote diverser Banken miteinander und legen ihr Erspartes immer seltener ohne umfangreiche Prüfung bei der Sparkasse „um die Ecke“ an. Zudem treten kontinuierlich neue Direktbanken auf den Plan, die mit aggressiven Produkten und minimalen Verwaltungskosten Marktanteile gewinnen konnten. Beispiele hierfür sind etwa die Mercedes Benz Bank oder die Bank of Scotland – beides Direktbanken, die voll auf das Internet setzen. Möglicherweise ist die Strategie der SEB – mehr Service und persönlicher Kontakt – hier nicht aufgegangen. Zumindest für kleinere Banken mit einem ausgedehnten Filialnetzt dürfte die Luft immer enger werden – es sei denn, sie konzentrieren sich auf besonders finanzkräftige Anleger, die einen hohen Beratungsbedarf haben.

2 Kommentare zu „SEB verkauft deutsches Privatkundengeschäft“

  • Logi Jöw says:

    Die SEB fand ich aufgrund ihres sozialen Ansatzes immer vorbildhaft. Schade, dass die Kunden das offenbar nicht so sehen…

  • Jojo says:

    Di Konsolidierung schreitet also voran. Verstehe aber nicht, warum die SEB Bank nicht als Direktbank weiter macht? Der Name ist doch schon gut bekannt und ein Kundenstamm vorhanden…

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Wolfgang Schäuble, Finanzminister

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